Editorial - Grundlagentraining

von Nicolai Pitzer

Grundlagentraining

Wir schreiben das Jahr 2002. Ein Junge ist auf Umwegen zum Rennradfahren gekommen und trifft sich mit einigen Fahrern der RSG Buchenau (damals noch Lahnlust Buchenau).
"Heute fahren wir nur lockere Grundlage" sagte Andreas Schulz damals zu mir. Grundlage? Noch nie gehört dachte ich mir. Nach 40 Kilometern kam ich nach Hause und war total am Ende. Mit locker hatte das damals für mich wenig zu tun.
Doch Blut geleckt hatte ich.
Im darauffolgenden Winter machte ich dann mein erstes Grundlagentraining mit. In der Regel begann die "neue Saison" schon im November. Und wie viele andere auch machte ich den Fehler und trainierte zu schnell. Krankheiten und Infektke wegen der kalten Witterung waren die Folge. "Es ist erst November" hallte mir der Satz von Andreas noch durch die Ohren.
Schnell fahren kann man später immernoch.

Grundlagentraining bedeutet, die Basis für die kommende Saison zu legen. Mir war dabei mein Pulsmesser immer eine große Hilfe. In der mittlerweile hoch technisierten Welt geht es natürlich auch mit Wattmessgerät. Doch zuersteinmal muss man ja wissen, in welchem Bereich man trainieren soll. Also heisst das Zauberwort "anaerobe Schwelle" bestimmen.
Gesagt getan und das sogar sehr professionell bei einer Leistungsdiagnostik. Wer es gerne einfacher mag, kann sich auch eine flache und ampelfreie Strecke suchen und sich mal 30 Minuten richtig auspumpen (das einzige Mal, wo es im November erlaubt ist). Der durchschnitttliche Puls hierbei gibt in etwa die anaerobe Schwelle wieder.
Hiervon kann man recht einfach eine Ableitung zum maximalen Puls treffen und auch seine Grundlagenbereiche ermitteln. Das ist dann die Basis für den restlichen Winter. Am Ende des Wintertrainings sollte man den Vorgang dann nochmal wiederholen, um zu sehen, wie sich die einzelnen Werte verändert haben.

Nun heisst es viele Kilometer im lockeren Trainingsbereich abspulen. Das kann sowohl bei Eis und Schnee, als auch auf der Rolle sehr monoton werden und dennoch weiß jeder, der sich schoneinmal beim Wintertraining mehrere Stunden durch die nasskalte Witterung gequält hat, dass man sich danach irgendwie besonders fühlt.
Mit zunehmenden Monaten sollten dann auch die Trainingsumfänge je nach eigenem Anspruch auch steigen. Mir waren die Wochenkilometer hierbei immer eine gute Hilfe um eine Steigerung feststellen zu können.
Ausserdem sollte man insbesondere beim Wintertraining auf eine hohe Trittfrequenz achten und einen sauberen runden Tritt. Zu keinem Zeitpunkt der Saison kann man besser und stressfreier diese technischen Feinheiten üben.

Werden dann die Tage länger und die Klamottenschichten wieder weniger ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass man den Block des Grundlagentrainings langsam hinter sich lässt.
Viele Rennfahrer setzen zum Abschluss des Wintertrainings noch ein Trainingslager im sonnigen Süden drauf, z.B. auf Mallorca.

Mehr dazu erfahrt ihr aber erst in unserem nächsten Editorial.

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So schön wie im Trainingslager ist das Wetter während des Winters nur selten

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